Besichtigung der Großbottwarer Biogasanlage

Veröffentlicht am 21.11.2010 in Ortsverein
 

Mitglieder der SPD Bottwartal und interessierte Bürgerinnen und Bürger besichtigen die Biogasanlage im Sauserhof

Informationsdefizite in der Bevölkerung zu alternativen Energiequellen sind nach wie vor der größte Hemmschuh einer Energiewende. Noch sind in der Gesellschaft die angeblich verlässlichen Energiequellen - Großkraftwerke betrieben mit Kohle, Erdöl, Erdgas und Kernkraft - wesentlich mehr akzeptiert als die CO²neutralen Energieanlagen, betrieben von Sonne, Wind und Biomasse.

Die SPD hat in ihrem Programm den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Die nicht gesicherte Entsorgung des Atommülls, das Verseuchen ganzer Landstriche beim Uranbergbau und das Festhalten an veralteter, störanfälliger Technik in den AKWs zwingt uns aber, für die Zukunft Alternativen zu suchen. Deshalb müssen wir keineswegs in der Energieversorgung Engpässe befürchten. Kurz- und mittelfristig werden die vorhandenen Kraftwerke die Bevölkerung mit ausreichender Energie versorgen, wobei der weitere Ausbau von modernen CO²neutraler Energieversorgung und die Weiterentwicklung energiesparender Technik zügig vorangetrieben werden muss.

Eine Alternative dezentraler Energieversorgung ist die Biogasanlage von Martin Föll im Sauserhof. Die interessierten Besucher aus dem Bottwartal konnten sich auf einem Rundgang vom Anbau der geeigneten Pflanzen bis zu den Endprodukten - Strom, Wärme und Biodünger - einen beeindruckenden Überblick verschaffen.

Die Teilnehmer der Führung konnten auf der gesamten Anlage die Vergärung der Biomasse (Silage, Hühner- und Rindermist) im geschlossenen Kreislauf ohne Geruchsbelästigung verfolgen. Herr Föll erklärte den Besuchern die Technik bis ins Detail, auf jede Frage – auch auf die kritischen – wurde eine Antwort gegeben. Vor allem gab es Bedenken wegen des Verbrauchs von Lebensmitteln zur Energiegewinnung. Seit es keine Prämien mehr für die Stilllegung landwirtschaftlicher Flächen gibt, steht dem Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung gegenwärtig eine mehr als ausreichende Anbaufläche zur Verfügung. 15 % der landwirtschaftlichen Fläche auf Großbottwarer Gemarkung werden derzeit für den Betrieb der Biogasanlage genutzt. Der Anbau von Getreide und Futtermitteln für die Vergärung sichert den Landwirten in der Region auch angemessene Preise für ihre Produkte.

Mit dem erzeugten Biogas wird ein Blockheizkraftwerk betrieben, das den Strom für die Haushalte einer Kleinstadt ins Netz speist und mit der dabei anfallenden Abwärme die gesamten Betriebs- und Wohngebäude der Familie Föll, sowie eine Anlage zur Klärschlammtrocknung beheizt. Auch dabei fiel zum Erstaunen der Besucher kein unangenehmer Geruch auf; das Substrat aus regionalen Kläranlagen darf nicht mehr, weil oft mit Schwermetallen kontaminiert, zur Düngung auf die Felder ausgebracht werden, sondern ist, in getrocknetem Zustand, in der Zementindustrie ein wertvoller Rohstoff. Der am Ende der Biogasproduktion anfallende Dünger ist frei von Methangas und damit geruchsneutral, wobei die wertvollen Mineralien komplett enthalten sind und von den Pflanzen besonders gut absorbiert werden. Die Silage anliefernden Landwirte erhalten das Substrat zur Düngung ihrer Felder, wobei sie einen nicht unerheblichen Teil von Kunstdünger einsparen können.

So kann innovative Landwirtschaft auch zukünftigen Generationen eine wirtschaftliche Grundlage bieten.

Die Vorsitzenden der SPD-Ortsvereine aus Steinheim, Murr, Großbottwar und Oberstenfeld bedanken sich für den informativen Rundgang auf der Biogasanlage bei Martin Föll und seiner Familie.

Doris Daniel, Vorsitzende

 

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