Landratsämter blockieren Verkehrsentlastung

Veröffentlicht am 19.01.2022 in Ortsverein

Auf Initiative der SPD-Fraktionen in den Gemeinderäten von Oberstenfeld und Großbottwar haben die dortigen Gremien im Frühjahr 2020 die Einrichtung einer Schnellbuslinie aus dem Bottwartal über Steinheim nach Erdmannhausen und weiter bis Winnenden gefordert. Diese wurde als Verlängerung der von den Gemeinderäten in Steinheim, Erdmannhausen und Affalterbach vorgeschlagenen Buslinie (Steinheim – Erdmannhausen – Winnenden) konzipiert, um eine erhebliche Verbesserung und Entlastung des tagtäglich überlasteten Nadelöhrs auf der L 1100 zwischen Murr und Marbach zu erreichen, da der Bus an der S-Bahn in Erdmannhausen einen Halt bekommt und so eine große Zahl Pendler aus dem Bottwartal auf diesem Weg zuverlässig die Bahn erreichen. Dabei kann vollständig auf die bestehende Straßeninfrastruktur zurückgegriffen werden und die Linie kann sofort eingerichtet werden. Größere bauliche Maßnahmen sind nicht erforderlich.

Die nun vorliegende Stellungnahme der Landratsämter des Kreises Ludwigsburg und des Rems-Murr-Kreises steht den vorgeschlagenen Varianten kritisch und ablehnend gegenüber. Ohne nähere Erläuterung wird lapidar auf die Herauslösung der „Linie aus dem bewährten Umlaufverbund der Bottwartallinien 460, 461 und X46“ als Grund für die Ablehnung verwiesen. Es wird der Verlust der „wirtschaftlichen und kundenorientierten Funktionalität des Buskonzepts im Bottwartal“ befürchtet. Das genaue Gegenteil dürfte allerdings der Fall sein. Durch die vollständige Meidung des Nadelöhrs an der L 1100 bei Nutzung von bestehender Straßeninfrastruktur entsteht eine hoch attraktive Verbindung mit direktem S-Bahn-Anschluß in Erdmannhausen. Dieses Konzept bedeutet die größtmögliche Kundenorientierung, da Bahnverbindungen in den Berufsverkehrszeiten endlich zuverlässig und sicher erreicht werden könnten.

Als Alternative verweisen die Landratsämter auf den geplanten „Bau einer Bustrasse zwischen Murr und Marbach“ „zur Stabilisierung der Buslinien im Bottwartal und somit auch der Anschlüsse in Marbach“. Diese Maßnahme ginge jedoch mit umfangreicher Bautätigkeit im Murrtal und erheblichen Baukosten einher. Die Wirtschaftlichkeit ist nur schwer vorstellbar. Auch eine Entlastung des Nadelöhrs kann so nicht erreicht werden, da der Anschluß der Bustrasse zwischen den beiden Tunneln (Bergkelter und Steinbruch) erfolgen muß. Bevor der Bus den möglichen Abzweig in die Bustrasse erreicht, muß er zunächst den morgendlichen Rückstau von der Kreuzung von L 1100 und L 1125 bei Murr passieren. Dieser reicht regelmäßig bis vor den Steinbruchtunnel. Außerdem würde der Bus von der Murrmündung bis zur Oehlerkreuzung weiterhin auf dem staugeplagten Streckenabschnitt verkehren. Darüber hinaus halten wir es nach den Starkregenereignissen der letzten Jahre für vollkommen unzeitgemäß, die bestehenden Flußauen und Flußtäler immer weiter zu bebauen. Dies ist ein verheerendes und falsches Signal.

Beim Lesen der Stellungnahme der Landratsämter entsteht der Eindruck, daß die geplanten großen Neubaugebiete in Kleinbottwar, Großbottwar und Oberstenfeld bei der Bewertung keine Rolle spielen. Augenscheinlich wird ausschließlich der heutige Stand betrachtet. Dies zeugt nicht von einer vorausschauenden Verkehrsplanung. Im Gegenteil: Es wird eine schnelle und kostengünstige Entlastung des Nadelöhrs bei gleichzeitiger Verbesserung der Anschlußsicherheit an die Bahn blockiert.

Daher fordern wir eine Überarbeitung der Stellungnahme unter Berücksichtigung der geplanten Entwicklungen in den Kommunen sowie eine schnelle Einrichtung eines Testbetriebs auf der vorgeschlagenen Buslinie.

Markus Beckmann (Vorsitzender SPD-Ortsverein Oberstenfeld)
Oliver Hartstang (Vorsitzender SPD-Ortsverein Großbottwar)

 

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